Freie Meinungsäusserung und wie verdient Facebook Geld?

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Der Blogger Derek Muller rechnet vor, dass er zwar 109.000 Fans hat, aber mitunter weniger als ein Zehntel davon erreicht. Auch er spürt den Druck, für mehr Sichtbarkeit zu zahlen: „Das ist das Problem mit Facebook: Wir sind jetzt alle Anzeigenkunden, weil Facebook keinen anderen Weg findet, aus einer riesigen Userbasis Geld zu machen.“

Als „bait and switch“ bezeichnen es amerikanische Juristen, wenn man zuerst die Kunden mit tollen Angeboten lockt und dann schrittweise die Rahmenbedingungen ändert. Facebook verspricht, dass man mitbekommt, was im eigenen Umfeld und der Welt da draußen passiert. Tatsächlich wird dieser Ausschnitt der Welt immer stärker selektiert – und Facebook verdient daran, wenn jemand wieder sichtbarer sein will.

Medien und Facebook

Die Medienbranche steckt derzeit in einem Dilemma: Man kann nicht nicht auf Facebook sein, zu wichtig ist die Seite bereits. Gleichzeitig werten seriöse Nachrichtenseiten Facebook weiter auf, indem sie ihre spannende Inhalt dort teilen – und sie machen sich damit langfristig weiter von Facebook abhängig.

Als nächstes Geschäftsmodell will Facebook sogar den Journalismus schlucken: Einigen Medien bot das Unternehmen an, ihre Artikel rein auf den Facebook-Servern zu lagern. Dafür müssten sie sich nicht um die mobile Darstellung kümmern, und der Inhalt würde mit wenig Ladezeit in der Facebook-Smartphone-App angezeigt. Die lukrierten Werbeeinnahmen teilen sich dann Facebook und das jeweilige Medium.

Das ist ein Horrorszenario für viele Verlage. Sie hätten dann noch weniger direkten Kontakt mit den eigenen Lesern und würden sich noch mehr dem sozialen Netzwerk ausliefern.

Was also tun? Eine echte Antwort und eine richtige Alternative zu Facebook gibt es bisher nicht. Der Journalist Mathew Ingram plädiert dafür, zwar im Reich von Mark Zuckerberg mitzuspielen, aber so wenig wie möglich Eigenständigkeit aufzugeben und möglichst viele andere Kontakte mit dem Leser zu suchen, etwa über andere Webseiten oder auch mit Veranstaltungen vor Ort.

Der Facebook-Algorithmus mag das mächtigste journalistische Instrument unserer Zeit sein. Die Frage ist jetzt, ob er noch mächtiger werden soll. (Quelle: Brodnigs Blog)

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