Innenminister de Maizière klopft an die falsche Türe

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Wenn sich in Deutschland eine große Internet-Krise ereignen sollte, müssen alle Kräfte mobilisiert werden, sagt Innenminister de Maizière. Und wendet sich an den Chaos Computer Club.

Falls eine große, weite Teile der Wirtschaft und Gesellschaft erfassenden IT-Krise ausbricht, sind dabei offenbar zunehmend auch überraschende Abwehr-Allianzen denkbar. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte während einer Diskussionsrunde auf dem IT-Gipfel in Berlin, alle Kräfte mobilisiert werden.

Und unter dieses „alle“ fasst er zum Beispiel auch die Freiwilligenvereinigung Chaos Computer Club (CCC). Zu deren führendem Kopf Frank Rieger sagte der für Sicherheit zuständige Minister denn auch ganz frank und frei: „Da bräuchte ich mal von Ihnen eine Krisennummer.“ Er, de Maizière, könne sich durchaus vorstellen, im Ernstfall auch auf die Kompetenzen und Ressourcen des CCC zurück zu greifen.

 

Aber der CCC kann dabei nicht helfen:

Der Club ist mit 5700 zahlenden Mitgliedern eine der größten Hacker-Vereinigung seiner Art. Er verfolgt keine profitorientierten Ziele, spricht sich für ein „neues Menschenrecht auf weltweite ungehinderte Kommunikation aus“ und verlegte sich in den vergangenen Jahren darauf, auf Schwachstellen in den Kommunikations-Netzwerken hinzuweisen. Es werden keine Lösungen angbeboten.

Rieger nahm de Maizières Angebot mit einem Lächeln zur Kenntnis.

Update: Frank hat geantwortet, dass der CCC ein Freiwilligenverein ist, bei dem jeder das tut, was er für wichtig und richtig hält, und unsere Mitglieder eh schon da mithelfen, wo es not tut, z.B. Internet für Flüchtlingsheime. Im Übrigen hilft der CCC jetzt schon gerne beim Beisteuern strategischer Gedanken. (Quelle:fefe)

 

Bereits am Vormittag, als de Maizière den neuen Jahresbericht zur IT-Sicherheit in Deutschland vorstellte, kritisierte er: „Die Anzahl kritischer Schwachstellen in Standard-IT-Produkten hat sich gegenüber den bereits hohen Werten in den Vorjahren im Jahr 2015 noch einmal massiv erhöht.“

Thorsten Dirks, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, sagte zu den Vorschlägen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gegenüber FAZ.NET: „Das ist schwierig. Ich glaube eher, dass wir ein entsprechendes Zertifizierungssystem für Software einführen müssen – so, wie wir das bei vielen anderen digitalen und auch analogen Produkten auch haben.“ Ein solches Zertifizierungssystem funktioniere aber nur in Zusammenarbeit der Behörden mit der Industrie.

Das BSI ist zwar staatlicherseits mit der Sicherheit in den IT-Systemen betraut. Allerdings ist es finanziell und personell viel schlechter ausgestattet als ähnliche Institutionen etwa in den Vereinigten Staaten oder in Großbritannien. Dennoch ist das BSI eine der wichtigsten Prüf- und Zertifizierungsstellen für IT-Systeme jeder Art. Dafür gibt es bislang international anerkannte Kriterien zur Prüfung und Bewertung der Sicherheit von Produkten wie Software, Computern oder Netzwerken. Die Bewertung der Systeme und Programme ist allerdings nicht mit einer Garantie über deren Sicherheit verbunden. (Quelle: FAZ)

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