NSA-Skandal: Was bisher geschah als Timeline

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Start am: 6. Juni 2013
Der US-Geheimdienst NSA sammelt Daten über Telefongespräche von Millionen US-Einwohnern, berichtet der Guardian.

31.Dezember 2013
Die Erde entwanzen, aber wie?
Für Andy Müller-Maguhn muss jetzt alles auf den Prüfstand, was gemeinhin als “IT-Sicherheit” am Markt angeboten wird. Im Sinne eines “Anti-Geheimdienstes des Volkes” müssten sich Hacker zudem als Gegenspione betätigen.

Bis Ende 2013 wurden es 681 Artikel über den NSA-Skandal veröffentlicht.

1. Januar 2014
Apple: Wir haben der NSA nicht geholfen
Nach einem Bericht über ein NSA-Werkzeug mit Vollzugriff auf das iPhone will Apple den Imageschaden begrenzen: Man habe keinerlei Kenntnis von dem Spionagewerkzeug gehabt.

10. November 2014 FIfF: Der Fall des Geheimen ist der Fall des Politischen
Zwei Tage lang hat sich die Fiffkon mit der Rolle der Geheimdienste in der Informationsgesellschaft beschäftigt. Informatiker und Politiker überlegten gemeinsam, wie die bislang wirklungslose Kontrolle der Geheimdienste verbessert werden könnte.
Frank Rieger beschäftigte sich mit der Frage, ob Kryptographie helfen kann, wie dies von Snowden postuliert worden war. Gegen die Massenüberwachung müsse die dramatische Massenanwendung von Verschlüsselung gesetzt werden. Problematisch sei aber, dass die Informatik wie die Softwareproduktion in keinem guten Zustand sei und die Aussischten ziemlich schlecht seien, dass bessere, sicherere Systeme programmiert würden.

28. Dezember 2014
31C3: Enthüllungsreporter hält die NSA für eine kriminelle Vereinigung
Auf dem Hackerkongress gab es Einblicke in die hundertjährige Kooperation zwischen Geheimdiensten und der Telecom-Industrie.
Bamford ruft nun nach einer umfassenden strafrechtlichen Untersuchung von NSA und CIA. Anders als beim Church-Komitee müssten an deren Ende Verantwortliche aber auch vor Gericht und ins Gefängnis gebracht werden: Wenn etwa der Ex-NSA-Direktor Keith Alexander eine Weile einsäße, werde er im Anschluss Snowden sicher als Held feiern. Den größten Nutzen aus der Massenüberwachung habe keinesfalls die amerikanische Bevölkerung gezogen, sondern die mit Aufträgen überschüttete Rüstungs- und Sicherheitsindustrie.

7. Januar 2015
FBI überwacht Handys mit IMSI-Catchern auch ohne Gerichtsbeschluss
Normalerweise benötigen FBI-Agenten für den Einsatz von IMSI-Catchern zur Handyüberwachung einen richterlichen Beschuss. Aber es gibt Ausnahmen.

30. Januar 2015
BND greift täglich 220 Millionen Verbindungsdaten ab
Einem Medienbericht zufolge sammelt der BND noch viel mehr Telefonverbindungsdaten als bislang bekannt.

18.März.2015
Greenwald: “Eine schlimmere Welt ist doch gar nicht vorstellbar”
Als Special Guest der CeBIT-Konferenzreihe waren Edward Snowden und Glenn Greenwald angekündigt. In ihrem Vortrag warnten sie erneut vor den Gefahren, die die Massenüberwachung für die Demokratie bedeute. Außerdem ging es um Snowdens Schicksal.
Snowden, der erneut darauf verwies, in den USA kein faires Verfahren zu erwarten, rief die Besucher der CeBIT dazu auf, sich ihrer Macht bewusst zu sein. Sie müssten Produkte entwickeln, die die Sicherheit ihrer Benutzer in den Mittelpunkt stellten. Wenn etwa 30 Prozent der US-Bürger erklärten, sie hätten wegen der Überwachung persönliche Konsequenzen gezogen, dann seien das Millionen Menschen. Da gebe es ein immenses Potenzial, das sich auch geschäftlich lohne. Ganz zu schweigen vom moralischen Wert einer Entscheidung für den sicherheitsbewussten Bürger.

30. März 2015
Europol-Chef warnt vor Verschlüsselung
Europol-Direktor Rob Wainwright meint, “das größte Problem für Sicherheitsbehörden” sei es, wenn Krypto-Produkte breit eingesetzt werden.
Ein Sprecher der britischen IT-Lobby TechUK unterstrich, dass Verschlüsselung “ein essenzieller Baustein der modernen Welt” sei und Großbritannien helfe, eine Führungsstellung in der Welt zu behalten. Die Branche arbeite eng mit Sicherheitsbehörden zusammen.

12. April 2015
NSA-Chef erklärt seine Strategie gegen Verschlüsselung
NSA-Chef Michael Rogers hat angedeutet, wie er sich den Zugriff auf verschlüsselte Smartphones vorstellt.
Seit einigen Monaten fordern regelmäßig Vertreter von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten in den USA und Europa, dass sie ganz offiziell Zugriff auf verschlüsselte Geräte erhalten. Auf der anderen Seite stehen Bürgerrechtler und Wirtschaftsvertreter, die keine Einschränkungen in der Verschlüsselung akzeptieren wollen und vor Missbrauch durch Kriminelle und Geheimdienste warnen.

12. Mai 2015
Monatlich 1,3 Milliarden Verbindungsdaten für die NSA
Nicht mehr 500 Millionen, sondern 1,3 Milliarden abgegriffene Verbindungsdaten gibt der BND angeblich jeden Monat direkt an die NSA weiter.
Wohl vor allem für Krisengebiete lassen sich damit umfangreiche Profile der überwachten Personen anfertigen.

1. Jun 2015 – 26. Jul 2015
Senat beendet vorerst US-Telefonüberwachung
Wegen des Widerstands eines US-Senators konnte der US-Kongress die geplante Reform der US-Vorratsdatenspeicherung nicht beschließen.
Der Reformkompromiss sieht vor, dass Telefon-Metadaten in den USA künftig nicht mehr bei der NSA, sondern den privaten Telefonunternehmen gespeichert werden.

5. Juni 2015
2 Jahre Snowden-Enthüllungen: NSA-Whistleblower ist zufrieden.
Vor zwei Jahren begann der Guardian mit der Enthüllung der Snowden-Dokumente zur NSA-Massenüberwachung.
Es bilde sich gerade eine “Nach-Terror-Generation”, die eine Weltsicht unter Rückgriff auf eine einzige Tragödie ablehnt. Erstmals seit den Anschlägen vom 11. September 2001 schäle sich eine Politik heraus, die sich abwendet von Angst und Widerstandsfähigkeit beziehungsweise Vernunft vorzieht. Jeder juristische Sieg, jede Gesetzesänderung zeige, dass Fakten besser überzeugen als Angst: “Als Gesellschaft entdecken wir wieder, dass der Wert eines Rechts nicht in dem liegt, was es versteckt, sondern dem was es schützt”, schließt Snowden.

Und: Auch im technischen Bereich seien Fortschritte erzielt worden, Verschlüsselung etwa gelte nicht mehr als “esoterisch und unnötig”.

20. Juli 2015
Snowden-Appell an die IETF: “Schützt die Internetnutzer”
Der NSA-Whistleblower Edward Snowden hat sich an die Teilnehmer der 93. Tagung der Standardisierungsorganisation IETF gewandt.
Edward Snowden appellierte bei einer Liveschaltung an die Internet Engineering Task Force (IETF), die “nächste Generation von Protokollen zum Schutz gegen die nächste Generation von Angriffen” zu entwickeln. Standards müssten Nutzern helfen, sicher durchs Netz zu kommen, forderte der NSA-Whistleblower mit Blick auf die Standards der IETF für das Internet und mahnte: “Wenn Technologie zur Gefahr wird, ist es unsere Schuld, weil wir die Entwicklung anderen überlassen, anstatt uns eingemischt haben.”

Im Anschluss an ein Public Viewing des Dokumentarfilms Citizenfour beantwortete der in Moskau festsitzende Whistleblower über eine Stunde lang Fragen der Ingenieure und warb für die Loslösung der “Identität von der Person” im Netz. Die IETF-Entwickler quittierten Snowdens Auftreten mit Standing Ovations.

“Wir müssen Identität und Person dauerhaft voneinander trennen”, beschwor Snowden rund 500 Teilnehmer der IETF. Allgegenwärtige Verschlüsselung von Inhalten, wie sie in 15 oder 20 Jahren Realität sein könne, nütze nichts, wenn gleichzeitig Metadaten eine Überwachung und Profilbildung erlaube. “Wir töten auf der Basis von Metadaten”, zitierte Snowden den Ex-NSA-Chef Michael Hayden. Entwickler müssten es Nutzern ermöglichen, im Netz eine “generische Person, eine Nicht-Person, oder eine vollständig anonymisierte Person” zu sein. Sein Plädoyer für die Wiederherstellung des Ende-zu-Ende Prinzips – “der einfachste Pfad ist der beste” – wurde von vielen IETF-Teilnehmern ausgiebig beklatscht. Die Reduktion von Metadaten erhoffte sich Snowden durch andere IETF-Arbeiten.
Nach weitern 786 Artikel in den Jahren 2014-2015 endet im July 2015 abrubt die Timeline. (Quelle heise online)

Liebe CT. Ihr könnt doch nicht über Verschlüsselung von Meta-Daten schreiben. Das hat doch schon schon der Schweizer Verein Enigmabox gemacht. Das kommt bei dem Medienbossen nicht gut an. Eduad Snowden ist zufrieden in Moskau und geniesst sein zukünftiges offline Leben.

Nicht mehr in der Timeline:
16.10.2015
Bundestag führt Vorratsdatenspeicherung wieder ein
Unter Protesten von Bürgerrechtlern und der Opposition hat das Parlament mit der Mehrheit der großen Koalition die umstrittene Gesetzesinitiative zum anlasslosen Protokollieren von Nutzerspuren verabschiedet.

Zugangsanbieter müssen laut dem Gesetz Verbindungsinformationen zehn Wochen und Standortdaten einen Monat lang speichern. Bei SMS werden aus technischen Gründen auch Inhalte erfasst, wovor Datenschützer seit Langem warnen. Der Bereich E-Mail soll ausgenommen werden. Anbieter, die ihren Kunden nur eine kurzzeitige Nutzung des Telekommunikationsanschlusses ermöglichen, müssen keine Daten aufbewahren. Das bezieht sich gemäß Bundesnetzagentur etwa auf Betreiber von Hotels, Restaurants und Cafés, die ihren Kunden einen WLAN-Hotspot zur Verfügung stellen.

Provider und Anbieter von Internet-Telefonie müssen neben IP-Adressen auch “eine zugewiesene Benutzerkennung” wie Port-Nummern speichern. Kritiker gehen davon aus, dass damit eine deutlich größere Datenmenge als bei der ersten Vorratsdatenspeicherung und ein “echtes Internet-Nutzungsprotokoll” sogar für besuchte Webseiten entstehen könnte. Darüber hinaus soll auch “Datenhehlerei” strafbar werden. Juristen warnen hier vor einem “U-Boot”, das den investigativen Journalismus und Whistleblower gefährde.

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