Positive Nachrichten kosten Geld

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Ein Start-Up aus Münster will den konstruktiven Journalismus in Deutschland salonfähig machen.

Das Rezept der drei Naturwissenschaftler: Ein tägliches Medienpaket mit gut recherchiertem, wissenschaftlich fundiertem und lösungsorientierten Journalismus.

„Die Wirklichkeit hat immer Licht und Schatten. Die Medien transportieren mit Vorliebe den Schatten, das Schreckliche. Gut wenn sich jemand die Mühe macht, auch das Licht, die Ermutigung zu verbreiten!“ Ernst Ulrich von Weizsäcker, ehemaliges Mitglied des Bundestages und Ko-Präsident des Club of Rome, hat die Notwendigkeit guter Nachrichten erkannt: Wenn man die Menschen ermutigen möchte, etwas zu verändern, darf man sie nicht permanent mit Hiobsbotschaften zermürben.

Diese Erkenntnis kommt nun auch langsam bei den Medienmachern in Deutschland an. Denn nicht nur, dass Zeit, Spiegel und Co immer öfter vom Konstruktiven Journalismus reden und schreiben: Mit Perspective Daily geht demnächst – Erfolg bei der Crowdfunding-Kampagne vorausgesetzt – ein neues Online-Medium an den Start, das sich dem Prinzip voll und ganz verschrieben hat.

Maren Urner, Han Langeslag und Bernhard Eickenberg heißen die Gründer des Start-Ups. Sie werkeln seit fast einem Jahr in der Gründergarage der Universität in Münster an Perspective Daily. Die Idee, die dem Projekt zugrunde liegt, erklärt Langeslag so: „Wir beschreiben nicht nur Probleme, sondern versuchen, bestehende Lösungen und Ideen vorzustellen.“ In den Worten des amerikanischen Psychotherapeuten Steve de Shazer, auf den sich drei gerne beziehen, heißt das: „Das Reden über Probleme schafft Probleme, das Reden über Lösungen schafft Lösungen.“ Das gelte gerade auch für Medien, sind sich die Gründer sicher.

Diese Ansicht ist gut begründet: Die Idee des konstruktiven Journalismus, der in den USA, den Niederlanden und Skandinavien schon wesentlich verbreiteter ist, ruht auf einem soliden, wissenschaftlichen Fundament. Studien zeigen, dass die Leser eines Artikels viel eher die Existenz des beschriebenen Problems anerkennen, wenn der Autor es ihnen nicht als Sackgasse präsentiert, sondern auch Auswege mit aufzeigt. Und nicht nur das: Auch die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu ändern, steige mit dem Aufzeigen von Lösungen und guten Beispielen. „Destruktive“ Medien, die nur bad news für good news halten, seien in vielen Fällen sogar mit verantwortlich für Antriebslosigkeit, Stress und ein negatives Weltbild.

Bei der Recherche wollen die drei promovierten Naturwissenschaftler sehr gründlich vorgehen und wissenschaftliche Arbeits- und Dokumentationsstandards einhalten – ein Anspruch, den Massenmedien nach Ansicht der Gründer aufgrund von Zeit- und Kostendruck heute längst aufgegeben hätten. Zahlen und Fakten sollten stets nachvollziehbar mit Studien belegt werden.

Als Vorbild dient den drei Gründern und ihrem Team De Correspondent aus den Niederlanden, das seine Leser seit über zwei Jahren mit konstruktiven Nachrichten versorgt. Wie beim niederländischen Vorbild sollen die Perspective-Daily-Mitglieder einmal am Tag Zugriff auf das neueste Beitrags-Paket erhalten. „Das wird nicht hyperaktuell, sondern reflektiert und relevant sein“, sagt Langeslag. Die Verdaulichkeit ihrer Wissenskost wollen die drei mit eingestreuten Spielen, Rätseln und einer schlanken Optik erhöhen – auch hier stützen sie sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Correspondent überzeugte mit diesem Rezept bisher über 40.000 Abonnenten – und kann so nicht nur auf Werbung verzichten, sondern den festen Redakteuren auch genügend Zeit geben, um gründlich zu recherchieren.

Auf einen ähnlichen Erfolg hofft das Team um Perspective Daily, wenn im Januar die einmonatige Crowdfunding-Phase beginnt. In dieser Zeit wollen die drei mindestens 12000 Menschen überzeugen, für 42 Euro für zunächst ein Jahr Mitglied zu werden, und so den Betrieb für diese Dauer finanzieren. Damit das gelingt, gehen die Macher währenddessen auf Diskussions-Tournee durch Deutschland, auf der sie mit Interessierten über Journalismus und Perspective Daily diskutieren wollen – konstruktiv, versteht sich. (Quelle: gute-nachrichten.com.de)

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